Welcher Hundebesitzer kennt das nicht: verstreute Glasscherben auf Waldwegen - hinterhältiger Stacheldraht im Gebüsch - wild rankende Brombeersträucher - ruppiges Spielverhalten mit Artgenossen - "nachhaltige" Katzenbegegnungen oder einfach Unachtsamkeit. Wie schnell ist eine Wunde entstanden, die kurzfristig die richtige Versorgung benötigt. Dass der beherzte Griff zum x-beliebigen Desinfektionsmittel nicht unbedingt das Richtige ist, erzähle ich euch in diesem Blogartikel.
Die Tierarzt-Praxis Ullmann hat dazu kürzlich ein sehr ausführliches Posting in den sozialen Medien veröffentlicht, das ich zu diesem Zweck in seiner vollen Länge übernommen habe. Der Autor ist kompetent, die Information kurz und knapp formuliert und für Laien perfekt verständlich:
Ein besorgter Besitzer kommt mit seinem Liebling zu uns. Der Hund hatte eine kleine Bisswunde oder die Katze einen Kratzer. Man wollte es zu Hause "nur schnell desinfizieren". Der Griff geht in die Hausapotheke zum Octenisept.
--BITTE STOPP--
Wir wissen, ihr meint es nur gut. Ihr wollt Bakterien abtöten und eurem Tier helfen. Aber Octenisept (und ähnliche Wunddesinfektionsmittel für Menschen) kann bei Tieren verheerende Folgen haben, wenn es falsch angewendet wird!
Warum ist das so gefährlich?
Viele Verletzungen bei Tieren - besonders Bisswunden - sind trügerisch. Oben sieht man nur ein kleines Loch, aber darunter befindet sich eine "Wundtasche", eine Höhle unter der Haut.
Wenn ihr nun Octenisept in diese Wunde sprüht oder spült, passiert Folgendes:
- Gewebezerstörung (Nekrosen): Octenisept darf NIEMALS in Wundhöhlen gelangen, aus denen es nicht sofort wieder abfließen kann. Bleibt es in der Wunde, wirkt es extrem gewebeschädigend. Es tötet nicht nur Bakterien, sondern auch das gesunde Gewebe eures Tieres ab!
- Massive Entzündungen: Das Gewebe stirbt ab, es bildet sich ein massives Ödem (Schwellung). Die Wunde heilt nicht, sondern wird schlimmer, größer und schmerzhafter.
- Verzögerte Heilung: Was eigentlich in 3 Tagen verheilt wäre, wird oft zu einer langwierigen Behandlung über Wochen, weil wir das durch das Desinfektionsmittel zerstörte Gewebe erst chirurgisch entfernen müssen.
Die Nachteile auf einen Blick:
Brennender Schmerz für das Tier.
Gefahr von schweren Gewebsnekrosen (absterbendes Fleisch).
Gefahr beim Ablecken: Reizung der Schleimhäute im Maul und Magen.
Unnötig hohe Tierarztkosten, weil die "Selbstbehandlung" den Schaden vergrößert hat.
Was sollt ihr stattdessen tun?
Habt ihr eine Wunde entdeckt?
Schritt 1: Ruhe bewahren.
Schritt 2: Wenn überhaupt, reinigt die Wunde vorsichtig mit lauwarmem Wasser oder einer sterilen Kochsalzlösung.
Schritt 3: Kommt zu uns in die Tierarztpraxis Ullmann (*Anmerkung von paraperro®: bzw. eurem Tierarzt) oder ruft an! Wir entscheiden, ob und womit desinfiziert werden muss. Wir haben spezielle Mittel, die nicht brennen und gewebeschonend sind.
► Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass das, was für das aufgeschürfte Knie vom Kind gut ist, auch in die Bisswunde vom Hund gehört.
Du möchtest wissen, wie man eine Wunde bei deinem Hund ganz einfach sicher vorm Lecken macht? Dann schau dir HIER gern meinen simplen Tipp zum Wundenschutz an.
Dein Hund muss wegen einer Wunde länger pausieren und darf deshalb nicht draußen mit Artgenossen herumtollen? Wie du ihn trotzdem mit einfachen Mitteln beschäftigen kannst, sodass er glücklich und zufrieden ist, findest du HIER.
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Bild | Ulrike Mai auf Pixabay
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